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20.02.2009 FC Bayern München: 1. FC Köln reist an - und Lukas Podolski muckt auf

'Ich bin fit!'

Für einen könnte sich das vierte Rückrundenspiel in der Bundesliga zu alles andere als einem "normalen Spiel" entwickeln. Topstürmer und Dauerreservist Lukas Podolski machte bereits vor dem Spiel am Samstag gegen seinen neuen Arbeitgeber aus Köln auf sich aufmerksam und signalisierte Trainer Jürgen Klinsmann unmißverständlich: "Ich bin fit". Doch auch der Kölner Coach Christoph Daum hat noch ein Wörtchen mitzureden und kündigt heftige Gegenwehr in der Münchner Allianz-Arena an.

Als „selbstbewusster Außenseiter" reisen die Kölner Recken nach Aussage ihres Trainers Christoph Daum in die bayerische Landeshauptstadt an. Dort werden am Samstag um 15.30 Uhr in der berühmtberüchtigten Allianz-Arena zwar nicht die bunten Faschings-Konfettis, dafür aber hoffentlich die Fetzen fliegen. Obwohl der derzeitige Elftplatzierte als klarer Außenseiter im direkten Duell gegen den Rekordmeister auftritt, schlug Trainer Christoph Daum den kämpferischen Ton an und machte seinen Spielern vor der Zitterpartie in München vorab Hoffnungen: „Es ist nicht unmöglich, dort etwas zu holen", blickt der 45-Jährige äußerst optimistisch bereits dem ersten Erfolg seiner Karriere beim amtierenden Vizeherbstmeister entgegen. Die Achillesferse der stolzen Bajuwaren hat der Kölner Coach bereits ausgemacht: „Wir müssen darauf hoffen, dass die Bayern uns ein bisschen unterschätzen", erklärte Daum und setzt damit auf die etwaige gefährliche Überheblichkeit des Gegners.

Um seine Schützlinge bestmöglich auf den großen Auftritt am Samstag vorzubereiten, verpasste Daum den Kölner Profis eine Schonkur der ganz besonderen Art. Pünktlich zum Auftakt des Straßenkarnevals waren die Kölner Stars keineswegs mitten im lustigen Karnevalstreiben aufzufinden und stachen nicht mit lauten „Kölle Alaaf"-Rufen hervor. Nein, der Daumsche Kader saß stattdessen artig und brav im Flugzeug gen Süden und bereitete sich mental auf das große Spiel vor. „Wir wollen dem Karnevalstrubel entgehen und die Spieler erst gar nicht in Versuchung führen", hatte der Coach die überraschende Entscheidung begründet, früher als vorgesehen nach München aufzubrechen. „Wir müssen alle unsere Kräfte bündeln", forderte Daum von seinen Recken Disziplin der härtesten Gangart ein.

Die Kölner könnten tatsächlich alle verfügbaren Kräfte am 21. Spieltag benötigen. Denn dann heißt es, gegen einen Gegner anzutreten, der sich nach zwei verpatzten Rückrunden-Spielen das Wort „Wiedergutmachung" in großen Buchstaben auf die breite Brust geschrieben hat und Berlin, Hoffenheim und Hamburg nicht länger hinterherhecheln möchte. Doch auch die „Zuagroasten" aus der Domstadt wollen die wertvollen Zähler nicht kampflos abschreiben. Als kleine Motivationsspritze stellte Daum seinen Spieler schon einmal in Aussicht, sich nach einer erfolgreichen Einlage in Bayern vielleicht doch noch in den Karnevalstrubel stürzen zu dürfen: „Sollten wir in München einen guten Auftritt hinlegen, ist durchaus eine Belohnung möglich", lockte der Trainer vielversprechend.

Für den gelbgesperrten Youssef Mohamad wird aller Voraussicht nach Kevin McKenna neben Pedro Geromel in die Abwehr nachrücken. Stürmerstar Adil Chihi reiste wegen einer Magen-Darm-Grippe nicht in die bayerische Landeshauptstadt an. Bezüglich der heiklen Konstellation mit Lukas Podolski, der ab Sommer für den 1. FC Köln spielen wird, versiegelte Daum stur seine Lippen und verwies stattdessen auf Bayern-Coach Jürgen Klinsmann, der an seiner Stelle über einen möglichen Einsatz des Youngsters zu befragen sei. „Mir ist egal, wer dort als Stürmer spielt", erklärte Daum nur wenig aussagekräftig und wollte sich partout nicht an den kursierenden Spekulationen um einen Auftritt des zu Köln zurückkehrenden Nationalstürmers auf dem Spielfeld beteiligen.

Der verlorene Sohn kündigte derweil selbst wortgewaltig an, nach ausgestandenen Rückenproblemen und dem aufgeholten Trainingsrückstand für die Rückkehr in den bayerischen Kader bereit zu sein: „Ich bin fit", ließ der 23-Jährige verlauten, der in den letzten Wochen Zusatzschichten eingelegt hatte, und versprach: „Wenn ich zum Einsatz komme, dann werde ich Vollgas geben." Die Chancen eines tatsächlichen Einsatzes des Dauer-Reservisten an der Isar erhöhen sich durch den Ausfall des italienischen Vollblutstürmers Luca Toni, der aufgrund einer Achillessehnenreizung derzeit außer Gefecht gesetzt ist. „Das ist kein normales Spiel", hatte Podolski vor dem Duell am Samstag betont und damit indirekt neben eines möglichen, emotional hoch aufgeladenen Auftritts gegen seinen künftigen Arbeitgeber auch auf die Tatsache verwiesen, möglicherweise zum ersten Mal seit drei Monaten wieder im Kader zu stehen.

Das letzte Wort wird jedoch nicht Podolski, sondern Trainer Jürgen Klinsmann sprechen. Und der 44-jährige Sunnyboy aus Kalifornien frohlockte schon einmal: „Wenn Lukas in dieser Woche so gut trainiert wie in den letzten Tagen, dann hat er die große Chance, nächsten Samstag gegen Köln endlich wieder dabei zu sein", hatte der Bayern-Coach bereits am Montag verkündet. Zum letzten Mal stand Podolski am 5. November beim Unentschieden in Florenz für die Bayern auf dem Platz.

Vor dem Start in die englischen Wochen und nach den bisher enttäuschenden Leistungen hatte Klinsmann einen kollektiven Appell an seine Stars gerichtet und in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst gehörigen Druck ausgeübt. Die Bundesliga sei ein „Muss" für die Bayern und es sei „sehr wichtig", Meister zu werden, um in Deutschland die Nummer eins zu bleiben und um sich für die nächste Saison die Champions League zu sichern. Auch in der Champions League und im DFB-Pokal hege man „große Hoffnungen", stellte Klinsmann klar.

Im Kräftemessen der besten europäischen Mannschaften wird Podolski wohl kaum auf einen Einsatz hoffen dürfen. Um zumindest für Samstag alles klar zu machen, fuhr der 23-Jährige noch einmal richtig auf und legte sich mit ungewohntem Eifer und höchster Motivation ins Zeug: „Ich habe noch ein paar Tage, um mich anzubieten, und werde im Training Gas geben. Ich versuche, alles zu tun, um den Trainer zu überzeugen", kündigte Prinz Poldi kämpferisch an. Und wenn der Trainer ihn nicht für den Kader nominieren sollte? „Dann muss ich das akzeptieren und werde weiter hart arbeiten", erschallt es überraschend gefügig aus dem Mund des sonst so revolutionär angehauchten Youngsters.

Und dann räumt der Geläuterte sogar noch reumütig ein, ein bißchen auch „selber schuld" zu sein, dass er es nicht zum Stammspieler bei den Bayern geschafft habe. „In einigen Spielen hätte ich besser spielen können. Vielleicht habe ich mich da ein bisschen zu sehr unter Druck gesetzt, weil ich gedacht habe, ich müsste in einem Spiel alles zeigen." Vielleicht erhält der wundersam Genesene ja doch noch am Samstag eine letzte Chance, um zu zeigen, welches ungenutzte Potential in ihm steckt.

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