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StartseitePolitikPressestimme: Russland und USA veranstalten diplomatisches Schattenboxen
Russland und USA veranstalten diplomatisches Schattenboxen

25. September 2008 Russland und USA veranstalten diplomatisches Schattenboxen

Sagst du ab, lad ich dich aus

Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):

"Zwischen Moskau und Washington ist ein diplomatisches Pingpong-Spiel in Gang gekommen, das nach dem Schema abläuft: Sagst du eine Konferenz ab, an der ich interessiert bin, dann sage ich eine Konferenz ab, die dir nutzen könnte. Das ist symbolisches Handeln; doch es sollte nicht zu einem Automatismus werden, der irgendwann auch die Wirklichkeit erfasst. Es herrscht weitgehend Übereinstimmung darüber, dass die Konflikte, um die es vordringlich geht - die von Russland betriebene Amputation Georgiens und das Problem der iranischen Nuklearaufrüstung - nicht mit militärischen Mitteln zu lösen sind."

Handelsblatt (Düsseldorf):

"Wie zwei bockige Jungs benehmen sich USA und Russland derzeit. Versäumen sie weiter, ihrer Verantwortung für die Lösung internationaler Konflikte gerecht zu werden, dann dürfen sich beide nicht wundern, wenn ihre Autorität noch stärker infrage gestellt wird. Washington und Moskau haben die Pflicht, ihr politisches Gewicht für die Erhaltung der internationalen Stabilität einzusetzen – und das gilt weit über die Finanzkrise hinaus. Der Iran spielt in der Atomfrage Katz und Maus mit dem Westen, und der hat nichts als machtpolitisches Gezänk im Sinn. Trotz aller Differenzen gibt es genügend Gesprächsbedarf zwischen USA und Russland. Das taktische Geplänkel muss daher schleunigst beendet werden."

Wremja Nowostej (Moskau):

"Der Konflikt um Georgien hat einen ersten Sieger hervorgebracht: Es ist der Iran, dem die Streitigkeiten der zwei Großmächte zusätzliche Zeit für die Realisierung seines Atomprogramms geben. Die Enttäuschung der Amerikaner über die Absage der Iran-Gespräche durch Russland ist verständlich. Denn im Weißen Haus ist man nach wie vor davon überzeugt, dass die Herstellung von Atomwaffen allein durch verstärkten Druck auf Teheran verhindert werden kann. Russland betrachtet diese Linie dagegen als perspektivlos. Solange Moskau und Washington sich streiten, muss der Iran neue Sanktionen nicht befürchten."

Der Standard (Wien):

"Dass Chancen zum Dialog nicht genützt wurden, ist nicht nur Teheran anzulasten. Immerhin wurde der Iran noch zu Präsident Chatamis Zeiten, also vor der Wende nach rechts, auf die amerikanische "Achse des Bösen" gesetzt. Fünf Ex-Außenminister, Demokraten und Republikaner - nämlich Henry Kissinger, Gerald Ford, James Baker, Warren Christopher, Madeleine Albright, Colin Powell - haben nun Gespräche mit Teheran eingefordert. Dies erscheint umso vernünftiger in einer Zeit, in der durch die Trübung des westlich-russischen Verhältnisses die gemeinsame Haltung im Atomstreit abbröckelt."