Obwohl der FC Bayern München auf dem achten Tabellenplatz vor sich her dümpelt, und am Dienstag beim Trainingsspiel gegen Drittligist Jahn Regensburg sogar 0:1 verlor, wirkte Trainer Louis van Gaal bem Pressetermin am gestrigen Donnerstag ungewohnt gut gelaunt. Grund für die positive Stimmung könnte das absehbare Ende der Verletzungssorgen beim Rekordmeister sein.
Er ist nicht an der Säbener Straße angetreten, um Trübsal zu blasen: Trainer Louis van Gaal (58) beeindruckte bei der gestrigen Pressekonferenz des FC Bayern München mit unverhofft guter Laune.
Zwar war die sportliche Leistung seines Vereins in den vergangenen Wochen alles andere als überzeugend, doch der Niederländer blickt selbstbewußt auch auf die Zeit nach der Stippvisite im Schwarzwald bei Freiburg am morgigen Samstag. In der Tat wirkt der ehemalige Barca-Coach nicht so, als ob mit einem weiteren Rückschlag rechnet.
Grund für seine aufgeräumte Stimmung dürfte unter anderem sein, dass der Holländer bald wieder einige der Asse aus seinem Ärmel wird ziehen können, auf die er in letzter Zeit schmerzlich hatte verzichten müssen. Allen voran ist Star-Knipser Luca Toni wieder einsatzfähig, und zeigte gegen Regensburg eine Rückkehr zu guter Form. Daher wird auch damit gerechnet, dass van Gaal ihn morgen in der Startelf aufstellt.
Neben dem Italiener wird auch ein Landsmann des Star-Coachs in Südbaden sein Comeback feiern: Kapitänsbinden-Träger Mark van Bommel. Ihm hat van Gaal dann auch direkt ins Stammbuch geschrieben, was er zu leisten habe: "Ein Spieler wie Mark van Bommel ist sehr wichtig. Ich erwarte von ihm, dass er die Ordnung auf dem Platz bewacht - auch mit dem Mund."
Für gute Laune sorgt darüber hinaus noch ein weiteres Ausnahmetalent des Star-Ensembles. Mit Arjen Robben hat ein weiterer potentieller Top-Performer den Weg zur Einsatzfähigkeit in Rekordzeit zurück erklommen, wie ihm sein Chef auch andeutungsvoll bescheinigt: "Robben ist unglaublich. Ich glaube, dass er am Samstag mindestens auf der Bank sitzen kann."
Kritik an der eigenen Person läßt Louis van Gaal indessen abprallen, und beschreibt sich sogar als für den FC Bayern Münchenals alternativlos: "Ich bin ein Prozesstrainer und brauche Zeit. Ich will mit meinen Spielern in Freiburg gewinnen. Und wenn nicht? Van Gaal weg? Und dann? Kommt ein anderer Trainer. Und dann kommt nach sieben Wochen wieder der nächste?"
In jedem Fall brauche er sich im internationalen Vergleich erst einmal gar nicht zu verstecken, stellt der selbstbewußte Niederländer klar: "Wenn ein anderer Trainer kommt, was sind dann dessen Papiere im Vergleich zu meinen? Wer muss dann kommen? Ferguson hat mehr Titel als ich gewonnen. Vielleicht auch Capello. Aber die sind besetzt."
In den vergangenen beiden Wochen hatten sich gleich vermehrt Kritiker mit Unkenrufen zu Wort gemeldet. Angefangen hatte das mit dem Vorsitzenden des FCB-Verwaltungsbeirats, Edmund Stoiber (68), der sich ihn jüngst auf der Wiesn vorknöpfte: "Ich habe versucht, zu erklären, wonach die Basis hier fragt, und dass im Moment Antworten folgen sollen. Ich glaube, dass ihm jetzt bewusst ist, dass er nicht so viel Zeit hat, wie er vielleicht geglaubt hat, um eine Mannschaft zu formen. Freiburg wird ein echtes Schlüsselspiel."
Uli Hoeneß hatte den gemeinsamen Ausgehabend seinerseits wie folgt resümiert: "Die erste Wiesn mit van Gaal war schön. Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn wir gewonnen hätten. Jetzt müssen wir schon wieder acht Punkten hinterher rennen." Die 'Bild'-Zeitung kommentierte daraufhin hämisch: "Es wäre sein größter Fehler zu glauben, dass man als Bayern-Trainer Zeit hat, um in Ruhe etwas aufzubauen. Der letzte, der so dachte, war Jürgen Klinsmann. Das bittere Ende ist bekannt."
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Louis van Gaal läßt sich von den Seitenrufen jedoch nicht aus der Fassung bringen. Im Gespräch mit dem 'Spiegel' verriet er kürzlich, was ihn derzeit am stärksten motiviert: "Ich trainiere sehr gern in Deutschland, denn in Deutschland ordnen sich die Spieler unter. Sie machen, was man ihnen sagt. In Holland denken die Spieler vielmehr über das Team nach. Auch über die Taktik. Das ist nicht gut. Das ist meine Aufgabe."